Unterwegs in Sambia
3:0 für die Mädels aus Bolenge
Zusammen mit an die Tausend Menschen jubelten wir einem unfassbar kitschigen Sonnenuntergang entgegen. Grund dieser euphorischen Stimmung war aber nicht die Sonne, die langsam hinter dem Kongo verschwand, sondern ein Freundschaftsspiel zwischen der Schulmädchenmannschaften von Bolenge und der von Mbandaka. Die jungen Frauen lieferten ein erstklassiges Spiel ab, rannten kontinuierlich übers ganze Spielfeld und hatten einen knallharten Schuss- und das ganze barfuß!
Wie kommt Fleisch und Fisch auf meinem Teller?
Zum Mittagessen soll es Fufu, Bohnen, Reis, Hühnchen und Fisch geben. Fufu besteht aus Maismehl und Maniokmehl. Wir freuen uns, heute einmal mit zubereiten zu dürfen. Es ist das erste Mal, dass wir mithelfen dürfen - bislang sind wir als Gäste bekocht worden, und haben (meist nur mit den Männern) gemeinsam am gedeckten Tisch Platz genommen. Die Zubereitung haben die Frauen stundenlang am Vormittag übernommen - sie essen nicht gemeinsam mit uns.
Bibelstunde, Erntedank und Sundayschool-Ausflug
Vanessa Gerum ist nun schon zwei Wochen als Praktikantin bei unserer Partnerkirche, der Methodistischen Kirche von Sri Lanka. Hier ihre ersten Eindrücke: "Jetzt sind schon zwei Wochen vergangen, seit ich in Deutschland nach einer wunderbaren Verabschiedung in den Flieger gestiegen bin. Zwei Wochen voller Erfahrungen, voller neuer Menschen und einer neuen Sprache. Ich fühle mich sehr wohl hier, ich wurde sehr herzlich begrüßt und familiär aufgenommen. Wer im letzten Jahr unseren unterwegs-Blog verfolgt hat, erinnert sich vielleicht an Rev. V. Asiri Perera. Er ist Gemeindepfarrer und Leiter des Youth Departments, also zuständig für die Jugendarbeit. Außerdem ist er mein Mentor, das bedeutet er ist mein Ansprechpartner für die Arbeit, da ich aber so weit weg von zu Hause bin eigentlich für alle Fälle.
Bateau Ambulance
Und dann liegt es am frühen Morgen endlich vor uns: Am Ufer des Ubangiflusses, im Dorf Bobangi, liegt das "Bateau Ambulance", von dem wir schon so viele Fotos gesehen, so viele Geschichten gehört, so viele Berichte gelesen haben. Für die meisten Mitglieder unserer Delegation ist es das erste Mal, dass wir das Boot besuchen. Als wir am Vorabend nach Einbruch der Dunkelheit in Bobangi ankamen, war es zu dunkel für einen Besuch. Lichtverschmutzung gibt es hier im Equateuer (noch) keine. Aber heute morgen ist es endlich soweit, und wir lernen die Crew der schwimmenden Krankenstation kennen. Dr. Yourssen Bossolo, ein Arzt aus Mbandaka und Bolenge, ist mit einem 13-köpfigen Team bis zu sechs Mal im Jahr meist mehrere Wochen auf dem Kongo und Ubangifluss unterwegs und leistet medizinische Hilfe in entlegenen Dörfern am Fluss. Bei dieser Tour war nun das erste Mal ein Zahnarzt dabei: Harald Flügge ist drei Wochen auf dem Ambulanzboot mitgefahren. Wir haben Ihn in Mbandaka getroffen und er hat uns einen kleinen Einblick in seine Erfahrung an Bord gegeben.
Wir sitzen alle in einem Boot – auch wenn es regnet
Mitten in der Nacht brechen wir auf, um den Rückweg von Lilanga nach Mbandaka anzutreten. Wir haben etwa 200 Kilometer vor uns - eine ganze Nacht und einen ganzen Tag werden wir durchfahren müssen. Unseren Partner*innen ist es wichtig, dass wir noch bei Tageslicht in Mbandaka ankommen - auf den Dörfern war es möglich, auch noch nach Einbruch der Dunkelheit anzulegen. Die Dörfer, so erklären uns unsere Partner*innen, sind sicherer als die Stadt. Diesmal fahren wir auf dem Ubangi flussabwärts, was deutlich schneller geht als auf dem Hinweg, wo wir entgegen der Strömung unterwegs waren. Erst wenn wir im Süden wieder in den Kongostrom abbiegen werden, wird es wieder flussaufwärts gegen die Strömung gehen.
Zurück in die Zukunft III
Wir stellen Andreas, der von 1988 bis 1990 in Bolenge gelebt hat, wieder ein paar Fragen zu seinen Beobachtungen - der erste Teil der Fragen kann HIER, der zweite Teil kann HIER nachgelesen werden. Andreas, du hast zuletzt sehr positiv über die technische und digitale Entwicklung berichtet. Das ist ein Blick auf den Kongo, der zunächst einmal überrascht. Wenn man den Nachrichten in Deutschland so folgt, dann wird über den Kongo doch vor allem im Zusammenhang mit Krieg, Korruption und Krankheiten berichtet. Wie erklärst du dir das? Andreas: Dass ich so positiv berichte, hat auch etwas mit den Mitgliedern der Delegation zu tun, mit der ich in diesem Jahr hier unterwegs bin. Gemeinsam haben wir uns vorgenommen, in diesem Jahr einen Blick auf Ressourcen zu entwickeln. Über Defizite wird ja in der Tat schon genug berichtet. Für mich ist dieser Blick auf Ressourcen aber nicht so neu; ich erinnere mich daran, dass ich schon damals, als ich hier meinen Zivildienst absolviert habe, mehr von Gemeinsamkeiten statt Unterschieden, mehr positiv als negativ erlebt habe. Das Leben hier hat sich für mich nicht als Dauer-Krise angefühlt, und ich denke, das ist es für unsere Partner*innen heute auch nicht.





