Unsere Begegnung mit Road to Recovery

Im Rahmen unseres Aufenthaltes in Netanja haben wir uns mit Yuval Roth, dem Gründer der NGO Road to Recovery und Eli Sahar, dem Vorsitzenden des Fundraising Komitees getroffen.

Beide sind jüdische Israelis, die sich ehrenamtlich für diese Arbeit einsetzen und uns mit großem Engagement von ihren Zielen, ihren konkreten Tätigkeiten und Begegnungen und nicht zuletzt von ihren Träumen erzählt haben.

Angefangen hat es, so erzählte uns Yuval, vor 20 Jahren, als er in den kriegerischen Auseinandersetzungen seinen Bruder verlor. In seiner Trauer begegnete er einem Palästinenser, der ebenfalls einen Angehörigen verloren hat. Die gemeinsame Trauer wurde zu einer Brücke, durch die die beiden zueinander fanden und so beschlossen sie, gemeinsam in Schulen zu gehen und Jugendlichen von ihrem Schicksal zu erzählen, um ihnen vor Augen zu führen, dass die vermeintlichen Feinde auf der anderen Seite der Grenze in Wahrheit Menschen mit ganz ähnlichen Gefühlen sind wie sie selbst.

Aus dieser Arbeit entwickelte sich der Parents‘ Circle, der im Laufe der Jahre fast 7000 solcher Treffen in israelischen und palästinensischen Schulen und in anderen Bildungseinrichtungen organisiert hat, bei denen jeweils ein Israeli und ein Palästinenser von ihrer persönlichen Trauererfahrung erzählen und erklären, warum sie sich entschieden haben, sich für den Dialog anstatt für die Vergeltung einzusetzen.

Aus diesen Kontakten ergab es sich durch Zufall, dass Yuval Roth gebeten wurde, ein palästinensisches Kind, das in den besetzten Gebieten nicht angemessen medizinisch versorgt werden konnte, in ein israelisches Krankenhaus zu fahren. Es wurde schnell deutlich, dass dieses Problem kein Einzelfall ist, sondern, dass es viele Menschen, v. a. Kinder in den palästinensischen Autonomiegebieten gibt, die der medizinischen Versorgung in einem israelischen Krankenhaus bedürfen, deren Eltern aber keine Genehmigung bekommen, um sie dort hinzufahren.

So ist die Initiative Road to Recovery entstanden, der inzwischen ca. 400 Freiwillige angehören, die mit ihren privaten Fahrzeugen Palästinenser, v. a. Kinder, von den Checkpoints zwischen Israel und den Autonomiegebeten abholen, um sie in israelische Krankenhäuser zu fahren.  Über 15.000 Fahrten wurden im vergangenen Jahr organisiert und ca. 100.000 km von den Ehrenamtlichen gefahren.

Darüber hinaus kümmern sich die Helferinnen und Helfer darum, medizinische Hilfsmittel für die Patienten zu organisieren und in regelmäßigen Abständen besondere Erholungstage für die Kinder und ihre Familien zu veranstalten. Bei diesen „Fun days on the beach“ kommen die palästinensischen Kinder und ihre Familien mit den Familien der israelischen Freiwilligen zusammen und lernen sich durch die gemeinsamen Aktivitäten kennen. V. a. durch diese Aktivitäten, aber auch schon durch die gemeinsamen Autofahrten erleben Palästinenser, die Israelis bisher nur als Besatzer und als Soldaten kennengelernt haben, und Israelis, in deren Augen Palästinenser meist Terroristen sind, dass sie alle als Menschen miteinander verbunden sind. So beschreiben die Mitarbeiter von Road to recovery ihre Arbeit als einmalige Gelegenheit für Israelis und Palästinenser, einander kennenzulernen und möchten damit in dieser kriegerischen Region neue Hoffnung pflanzen und zum Frieden zwischen den beiden Völkern beitragen.

Sichtlich berührt las uns Yuval eine e-mail vor, die er von einem Palästinenser erhalten hat, um uns deutlich zu machen, worum es ihm eigentlich bei dieser Arbeit geht: Darin heißt es:

„I think you’ve done the most amazing thin ever in regards to the conflict in this area. Personally speaking, you, all your friends and all the beautiful people in rambam saved my life twice. First from cancer. The second time is from being close minded fanatic. Like all Palestinians I think I was brainwashed to hate everyone. Especially jews. What you are doing is one of the reasons why I hope for peace and do whatever I can from my place as an English teacher to make more people hope and seak peace too. Thank you so much.”

Und zum Schluss erzählte er uns noch eine Geschichte von einem 7 jährigen Mädchen aus dem Gaza-Streifen, das er in ein israelisches Krankenhaus gefahren hatte. Als es Zeit war, sie zurückzufahren, konnte er sich aufgrund der beginnenden kriegerischen Auseinandersetzungen im Rahmen des Gazakrieges nicht der Grenze nähern und nahm sie mit in ein benachbartes israelisches Kibbuz, wo seine Tochter sich gerade aufhielt. So suchte er gemeinsam mit dem Mädchen Zuflucht im Luftschutzkeller des Kibbuzes vor dem Raketenbeschuss. „Wo kommst du her?“, wurde sie gefragt. „Aus Gaza!“  – „Also von dorther, wo Menschen gerade Raketen auf uns abfeuern!“ Und in diesem Moment machten die Menschen die Erfahrungen, dass die „Feinde“ in Wahrheit  Kinder, Frauen und Männer mit den gleichen Ängsten und mit der Sehnsucht nach Gerechtigkeit und Frieden sind.

Natürlich benötigen Yuval und seine Organisation auch finanzielle Unterstützung, um ihre Friedensprojekt fortsetzen zu können, v. a. um die Kosten für das Benzin für die vielen Fahrten finanzieren zu können und freuen sich darüber, wenn wir auch in Deutschland Unterstützer für ihre Arbeit finden können.

Alles in allem waren wir sehr berührt und beeindruckt von der Begegnung mit Yuval und Eli, von ihrem persönlichen Engagement, von ihrer Menschlichkeit und ganz besonders davon, dass sie im Gegensatz zu vielen anderen Menschen, mit denen wir gesprochen haben, nicht bereit sind, ihre Hoffnung zu verlieren.

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