Congo 2.0

Seit mehr als fünf Jahren stehen sie still, die großen Diesel-Generatoren, die die Stadt Mbandaka mit Strom versorgt haben. Dennoch sitzen wir bei elektrischem Licht im Wohnzimmer unseres Gästehauses der Jüngerkirche und arbeiten an unseren Laptops. Eine Solaranlage versorgt die modernen LED-Lampen und den Kühlschrank.

2019-10-19T22:46:34+02:00Allgemein, Bolenge / DR Kongo|

Zurück in die Zukunft II

Wir stellen Andreas, der von 1988 bis 1990 in Bolenge gelebt hat, wieder ein paar Fragen zu seinem Zivildienst in Bolenge von 1988 bis 1990 - der erste Teil der Fragen kann HIER nachgelesen werden. Wie bist du 1988 überhaupt dazu gekommen, deinen Zivildienst in Bolenge zu absolvieren? Das war ja zu dieser Zeit noch nicht wirklich üblich, oder? Andreas: Ich kannte Jörg Philipps aus dem Posaunenchor in Dortmund, der bereits schon ab 1987 seinen Zivildienst in Zaire machte, und es wurde für die Zeit ab 1988 sehr kurzfristig ein zweiter Zivi gesucht. Im März 1987 wurde ich in der Gemeinde darauf angesprochen, ob ich mich auf die freie Stelle bewerben möchte. Ich konnte die ganze Nacht nicht schlafen, war frisch verliebt und hatte eigentlich andere Pläne. Aber am Ende der Nacht war klar, dass ich das machen würde. Ich wusste, dass ich mich mein ganzes Leben lang fragen würde, wie mein Leben verlaufen wäre, wenn ich das gemacht hätte. Und es vielleicht mein ganzes Leben bereuen würde, es nicht versucht zu haben. Also habe ich mich bei der VEM (damals noch Vereinigte Evangelische Mission) beworben - später kam dann noch einmal eine Nachfrage, dass meine Bewerbung zwar vollständig sei, aber meine geistliche Motivation noch nicht ganz klar sei. Also musste ich nochmal ein weiteres Motivationsschreiben nachliefern. Ich war ja kirchlich sozialisiert - mehr aber auch nicht. Schade, dass das Schreiben heute nicht mehr vorhanden ist, das würde ich eigentlich gerne nochmal lesen.

„Regen falle auf euer Haus“

Bei der Aussendung unserer Delegation vor ein paar Tagen in Dortmund wurden wir von einem Mitglied des Partnerschaftskreises mit einem Segen verabschiedet: "Regen falle auf euer Dach". Und heute nacht und an diesem Vormittag verstehen wir, welch Segen und welche Kraft Wasser in diesem Teil der Erde sind. Das sind wirklich enorme Wassermassen, die der Himmel heute vormittag ausschüttet - die Regentropfen peitschen auf das Dach des Hauses, die Lautstärke des Aufschlagens übertönt den Wecker, den wir minutenlang nicht hören. Wir hatten gestern vereinbart, dass wir heute vormittag um 6:00 Uhr auf den Markt gehen, um Lebensmittel für unsere anstehende Fahrt auf dem Kongo-Fluss zu kaufen.

Zurück in die Zukunft

Zu viert sind wir in diesem Jahr auf Delegationsfahrt in den Partnerkirchenkreis Bolenge aufgebrochen. Für ein Mitglied unsere Delegation, Andreas, ist diese Reise auch eine Reise in die eigene Vergangenheit. Andreas hat von 1988 bis 1990 hier seinen zwei-jährigen Zivildienst absolviert - damals hieß das Land Zaire, seit 1997 trägt es seinen heutigen Namen Demokratische Republik Kongo. Andreas spricht immer noch fließend Lingala, und wird an vielen Ecken angesprochen von Freund*innen und Bekannten, Nachbar*innen und Schüler*innen von damals. Wir stellen Andreas einige Fragen zu seiner Rückkehr:

Musikalischer Spontanbesuch

Und dann steht er vor unserer Tür: Emmanuel Insenge Lomoto ist Finanzchef der ECC und Chorleiter von zwei Chören in Kinshasa, und hat uns im gestrigen Sonntagsgottesdienst singen hören. Er ist spontan bei uns vorbei gekommen, um mit uns gemeinsam Musik zu machen - vor allem möchte er die Noten des Liedes "Du bist heilig" bekommen, um daraus einen mehrstimmigen Chorsatz für seinen Chor in Kinshasa zu schreiben, und das Lied nebenbei noch in Lingala übersetzen. Er hatte sich nach dem gestrigen Auftritt die Melodie schon aus dem Gedächtnis notiert. Wir zeigen ihm die Noten im Liederbuch des diesjährigen Kirchentages #lautstärke zum Abgleichen und spüren wieder einmal, was für ein Vertrauen diese Partnerschaft ausmacht.

Borussia Dortmund: die protestantische Mannschaft vom Equateur

Was uns wirklich erstaunt hat, ist die Verbundenheit der Menschen hier in Equateur mit Borussia Dortmund. Nun ist der Dortmunder Fußballverein international bekannt und Anhänger*innen finden sich bekanntermaßen auf der ganzen Welt - von da aus hat es uns zunächst einmal nicht überrascht, dass uns auch hier in Bolenge Menschen mit BVB Trikot begegnen. Doch dann erfahren wir, dass es hier üblich ist, die Verbundenheit der Menschen mit dem BVB auf die Partnerschaft des Kirchenkreises Bolenge mit dem Kirchenkreis Dortmund zurückzuführen. Mehr noch: der BVB wird auch die "l´equipe protestante" (die protestantische Mannschaft) genannt. Mit anderen Worten: diese Kirchenkreispartnerschaft, die seit über 30 Jahren existiert, hat euch hunderttausende von Fans verschafft, liebes Team von Borussia Dortmund. Toll, oder?

Blick auf Ressourcen

Es gibt hier so viel, was wir wahrnehmen – wir erleben diese Tage in Bolenge und Mbandaka: Fahrradtaxifahrer, die für den verstärkten Gepäckträger bunt gepolsterte Kissen für ihre Passagiere liebevoll gehäkelt haben, einen stellvertretenden Kirchenpräsidenten, der wie selbstverständlich anbietet, seine in Lingala gehaltene Predigt auf Französisch zu übersetzen und uns auf whatsapp zukommen zu lassen, viele Solarpanele, die auf den Dächern und vor den Häusern das Sonnenlicht einfangen oder am Straßenrand verkauft werden

6 Stunden, 8 Chöre, 800 Gottesdienstbesucher*innen

Wir sind überwältigt. Heute war so viel Musik in unseren Ohren. Viele Stunden lang haben wir in einem Gottesdienst in Bolenge fantastischer Chormusik zuhören dürfen. Wie in unserer Partnerkirche üblich, sind an diesem Sonntag nicht nur ein, sondern viele Chöre aufgetreten, die eine Vielfalt und ein breites Spektrum an ausgebildeten Stimmen enthielten. Es gibt Mädchenchöre und Jungenchöre, Chöre mit Kindern und Erwachsenen. Einige Mädchen haben im Jungenchor Tenor gesungen. Der jüngste Sänger ist kaum 4 Jahre alt, die älteste Sängerin über 80. Viele der Chöre funktionieren intergenerativ, wobei die jüngsten Sänger*innen in die Mitte genommen werden. Überhaupt haben alle Sänger*innen ohne Noten oder Texte gesungen. Die überwiegende Mehrheit der Lieder war in Lingala, zwei Lieder waren in Lonkundo.

Mbote nkomboo na yo nani?

und viele weitere. Hallo und herzlich willkommen am Flughafen Mbandaka. Wir stellen uns gegenseitig vor, während wir auf unser Gepäck und unsere Reisepässe warten. Anders als in Düsseldorf, wo wir 29 Stunden zuvor uns selbst um die Gepäckaufgabe und vor allem um die Zollangelegenheiten gekümmert haben, nehmen uns unsere Gastgeber*innen hier in der Demokratischen Republik Kongo alle Formalitäten ab.

Sechs Monate in unserer Partnerkirche in Sri Lanka mitarbeiten

Im Sommer 2018 waren wir mit fünf jungen Menschen aus dem Kirchenkreis Dortmund in Sri Lanka, um an der Jugendvorsynode unserer Partnerkirche teilzunehmen und die vielfältige Jugendarbeit kennen zu lernen. Am 24. Juli 2018 besuchten wir das Badulla Girls Home, ein Wohnheim für Mädchen und junge Frauen im Süden der Insel. Die Begegnung vor Ort war für eine unserer Teilnehmer*innen, Vanessa Gerum, sehr beeindruckend - und so entschloss sich Vanessa, dass sie an diesem Ort gerne ihr Praktikum im Rahmen ihres Studiums absolvieren möchte. Vanessa ist heute 21 Jahre alt und studiert im fünften Semester Gemeindepädagogik und Diakonie an der Evangelischen Hochschule Bochum. Des Weiteren absolviert sie ihre Diakon*innen Ausbildung im Martineum in Witten. Vom 7. Oktober 2019 bis zum 15. März 2020 wird Vanessa nun in Badulla vor Ort sein. Neben ihrer Mitarbeit im Girls Home wird sie auch die Jugendarbeit der Methodistischen Kirche Sri Lankas unterstützen.

2019-10-04T13:37:21+02:00Allgemein, Sri Lanka|
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